Das Lernfeldkonzept wurde durch die am 9. Mai 1996 von der Kultusministerkonferenz herausgegebenen „Handreichungen zur Erarbeitung von Rahmenlehrplänen für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule“ (KMK 1997) initiiert. Seitdem besteht eine Strukturierung des berufsbezogenen Unterrichts in den Rahmenlehrplänen nach Lernfeldern (vgl. Herkner, 2016, 623).
Innerhalb des Lernfeldkonzeptes stellen Handlungsfelder (Verlinkung), Lernfelder (Verlinkung) und Lernsituationen (Verlinkung) die curricularen und didaktisch-methodischen Orientierungsrahmen dar. Im Lernfeldkonzept werden drei Phasen verfolgt: in der ersten Phase werden die Handlungsfelder expliziert; in der zweiten Phase werden die Handlungsfelder didaktisch in Lernfelder aufbereitet und in der dritten Phase werden durch Bildungsgangkonferenzen in den berufsbildenden Schulen exemplarische, fachübergreifende und schüler:innenorientierte Lernsituationen entwickelt (vgl. Zurstrassen, 2009, 438). Als didaktische Leitziele der Umsetzung des Lernfeldkonzeptes können der Bildungsauftrag der Berufsschule (berufliche Grund- und Fachbildung und die Erweiterung der bisher erworbenen Allgemeinbildung) (vgl. KMK, 2007, 9) und die Entwicklung von Handlungskompetenz aufgeführt werden. Laut KMK (2021, 32) kann Handlungskompetenz als „die Bereitschaft und Befähigung des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten“ definiert werden. In der Umsetzung dieser Leitziele werden didaktisch-methodische Prinzipien verfolgt. Zu diesen gehören: die Handlungsorientierung, die Geschäfts- und Arbeitsprozessorientierung und die Individualisierung der Lernprozesse (vgl. Berben, 2008, 95). Die Konzeption des Lernfeldkonzeptes unterlag keiner wissenschaftlichen Unterstützung (vgl. Berben, 2008, 117), was mit einem didaktischen Theoriedefizit im Lernfeldansatz einhergeht (vgl. Bader, 2004, 24).
Jedoch werden die Vorteile des Lernfeldkonzeptes im Ansatz des ganzheitlichen Lernens gesehen, was die Schüler:innen besser auf ganzheitliche und handlungsorientierte Prüfungen vorbereitet. Außerdem entspreche der Ansatz des Lernfeldkonzeptes besser der beruflichen Realität, was als Referenzpunkt beruflicher Bildung angesehen wird. In der Umsetzung des Lernfeldkonzeptes ergeben sich aber auch Hindernisse: unter anderem in der Organisation des Unterrichtsbetriebs am Lernort „Berufsschule“ (Verlinkung) aufgrund bestehender fester Zeitregime und dem Fachlehrer:innenprinzip und noch nicht ausgereifter Lernfelder basierend auf schulinternen Curricula (Verlinkung). (vgl. Herkner, 2016, 624).
Bader, R. (2004). Handlungsfelder – Lernfelder – Lernsituationen. Eine Anleitung zur Erarbeitung von Rahmenlehrplänen sowie didaktischer Jahresplanung für die Berufsschule. In: Bader, R. & Müller, M. (Hrsg.). Unterrichtsgestaltung nach dem Lernfeldkonzept, Berufsbildung, Arbeit und Innovation, Band, 27. Bielefeld: wbv, S. 11-37.
Berben, T. (2008). Arbeitsprozessorientierte Lernsituationen und Curriculumentwicklung in der Berufsschule. Didaktische Konzepte für die Bildungsgangarbeit mit dem Lernfeldansatz. Bielefeld: Bertelsmann Verlag.
Herkner, V. (2016). Lernfeld. In: Pahl, J.-P. (Hg.): Lexikon Berufsbildung. Ein Nachschlagewerk für die nicht-akademischen und akademischen Bereiche. Bielefeld: Bertelsmann Verlag.
KMK (2021). Handreichung(en) für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe. Abgerufen am 14.12.2022 von https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2021/2021_06_17-GEP-Handreichung.pdf.
KMK (2007). Handreichung zur Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe. Bonn.
Zurstrassen, B. (2009). Das Lernfeldkonzept an Berufsschulen: Von der Chance, berufliche und politische Bildung zu vereinen. In: Gesellschaft. Wirtschaft. Politik. Heft 3, S. 437-448.
Euler, D. & Hahn, A. (2007). Wirtschaftsdidaktik. 2. Auflage. Bern: Haupt Verlag.
Gerdes, P. (2001). Der Lernfeldansatz – ein Weg aus der Krise der Berufsschule? In. Gerdes, P. & Zöller, A. (Hrsg.). Der Lernfeldansatz der Kultusministerkonferenz. Bielefeld, S. 20-51.
Müller, H.-J. (2006). Handlungsorientierte Prüfungen in der beruflichen Fortbildung. Eine subjekt- und arbeitsprozessorientierte Konzeption für die Konstruktion situationsbezogener Prüfungsmodule am Beispiel der Textilwirtschaft. Bonn: Schriftenreihe des BIBB.
Riedl, A. (2004). Didaktik der beruflichen Bildung. Stuttgart: Steiner. 2004.
Tenberg, R. (2006). Didaktik lernfeldstrukturierten Unterrichts: Theorie und Praxis beruflichen Lernens und Lehrens. Hamburg: Verl. Handwerk und Technik [u.a.].

